Was sagt die Deckblattfarbe wirklich über eine Zigarre aus?

Kennst du das? Du stehst im Humidor, hältst zwei Zigarren nebeneinander. Die eine hell und seidig, die andere fast schwarz und ölig glänzend. Und triffst deine Wahl allein nach der Farbe, weil du glaubst, die dunkle wird schon “die stärkere” oder “die bessere” Zigarre sein. Uns ist das früher genauso gegangen. Die Wahrheit ist etwas komplizierter, aber genau deshalb lohnt es sich, sie einmal richtig zu verstehen.

Wenn du es genauer wissen willst, wie jede Stufe schmeckt, warum das so ist und welcher Irrtum sich hartnäckig hält, nehmen wir dich jetzt mit durch die komplette Farbskala.

Was ist die Deckblattfarbe einer Zigarre eigentlich?

Das Deckblatt ist das äußerste, sichtbare Tabakblatt einer Zigarre. Das, was du als Erstes anfasst und riechst, bevor du überhaupt angezündet hast. Seine Farbe entsteht nicht durch die Tabaksorte allein, sondern vor allem durch die Dauer und Intensität der Fermentation. Grob gesagt: Je länger und intensiver ein Blatt fermentiert wurde, desto dunkler wird es am Ende und desto voller, oft auch süßlicher schmeckt es.

Welche Deckblattfarben gibt es und wie unterscheiden sie sich?

In der Zigarrenwelt hat sich eine Skala mit sieben gängigen Abstufungen etabliert, von hell nach dunkel:

FarbeFarbtonGeschmacksprofil
Double Claro / Claro ClaroLeicht grünlichSüß, frisch, oft leicht grasig
ClaroHelles, leicht gebräuntes GelbbraunMild, fein
Colorado ClaroMittelbraun, geschmeidigMittelstark
ColoradoRötlich-braunKräftiger, würzige Note
Colorado MaduroDunkelbraunReich, aromatisch
MaduroDunkles, oft süßlich wirkendes BraunKräftig, süßlich
OscuroFast schwarzBesonders würzig und kräftig

Wir bekommen im Freundeskreis regelmäßig die Frage: “Warum schmecken zwei fast gleich dunkle Zigarren manchmal so unterschiedlich?” Die Antwort liegt meist nicht in der Farbe selbst, sondern in der Tabaksorte darunter und in der Einlage – dazu gleich mehr.

Double Claro – kennst du diese seltene, fast grünliche Stufe?

Double Claro (oder Claro Claro) ist die hellste Stufe überhaupt: leicht grünlich, mit süßen, frischen, mitunter grasigen Aromen. Diese Farbe war jahrzehntelang vor allem in den USA extrem beliebt, ist heute aber eher selten geworden, weil sie eine sehr kurze, schonende Trocknung erfordert.

Claro – warum gilt er als der klassische Einsteiger-Ton?

Claro ist hell, nur leicht gebräunt und gelblich, mit mildem, feinem Geschmack. Wir verbinden diese Farbe oft mit Connecticut-Deckblättern, die traditionell unter Schattennetzen (Shade Grown) angebaut werden. Oft werden sie Connecticut-Shade genannt. Sie sind Zart im Antritt, gut geeignet, wenn du gerade erst mit Zigarren anfängst.

Colorado Claro – wo liegt die Mitte der Skala?

Die Deckblattfarbe Colorado Claro liegt farblich genau zwischen Claro und Colorado und gilt als mittelstark.

Colorado – oder liegt die Mitte hier?

Colorado selbst ist rötlich-braun, kräftiger im Geschmack und bringt eine würzige Note mit. Für uns oft der Punkt, an dem eine Zigarre “erwachsen” wird, ohne schon zu fordernd zu sein.

Colorado Maduro und Maduro – woher kommt der süßliche, kräftige Charakter?

Colorado Maduro ist dunkelbraun, reich und aromatisch und bildet die Brücke zu Maduro.

Maduro

Maduro-Deckblätter selbst entstehen durch eine längere und intensivere Fermentation. Sortenmäßig wird dafür häufig Broadleaf-Tabak verwendet, ursprünglich aus Connecticut, heute vor allem in Pennsylvania oder Massachusetts angebaut. Wenn wir Freunden zum ersten Mal eine Maduro in die Hand drücken, kommt fast immer dieselbe Reaktion: “Das schmeckt ja fast süßlich!” Genau das macht diese Stufe so beliebt.

Echtes Maduro braucht Zeit – deshalb gibt es auch Abkürzungen. Eine wochen- bis monatelange, intensive Fermentation ist aufwendig und teuer. Manche Hersteller erzeugen die dunkle Farbe deshalb schneller und günstiger, etwa durch beschleunigte Fermentation unter künstlich erhöhter Hitze oder durch nachträgliches Färben bzw. Behandeln der Blätter. Das heißt aber nicht automatisch, dass diese Zigarren schlechter sind . Es gibt auch unter künstlich dunkel gefärbten Deckblättern durchaus gute, geschmackvolle Zigarren. Der Unterschied liegt eher darin, was du bekommst: Bei echter Langzeit-Fermentation entsteht die typische Komplexität und Süße meist auf natürlichem Weg, bei beschleunigten oder gefärbten Verfahren kann der Geschmack anders ausfallen, ohne deshalb per se schlechter zu sein. Gut zu wissen ist es trotzdem, denn dann triffst du deine Wahl bewusst und nicht nur nach der Optik. Ein Deckblatt, das ölig glänzt, geschmeidig und elastisch ist, deutet meist auf echte Fermentation hin; ein sehr gleichmäßiges, fast lackiert wirkendes Dunkelbraun kann ein Hinweis auf künstliche Färbung sein. Oder wenn ihr am Ende des Smokes, wenn ihr mit den Fingern das feuchte Mundstück etwas berührt, dunkle Farbe an den Fingern habt. Am Ende zählt aber vor allem eines: wie sie dir schmeckt.

Oscuro – ist das wirklich die stärkste Zigarre, die es gibt?

Oscuro ist die dunkelste Deckblattfarbe: Fast schwarz, besonders würzig und kräftig im Geschmack. Sie durchläuft die längste und intensivste Fermentation der ganzen Skala, aber “am kräftigsten im Geschmack” ist nicht automatisch dasselbe wie “am stärksten im Nikotingehalt”. Dazu gleich mehr.

Ist eine dunkle Zigarre wirklich immer stärker?

Kurz gesagt: Nein. Das ist ein häufig verbreiteter Irrtum. Die Deckblattfarbe beeinflusst vor allem den Geschmack: Süßlicher, kräftiger, würziger, sagt aber wenig über die tatsächliche Stärke aus. Die entscheidet primär die Einlage (Tripa) im Inneren der Zigarre. Es gibt durchaus milde Maduro-Zigarren mit sanfter Einlage, genauso wie sehr kräftige Zigarren mit hellem Claro-Deckblatt. Lass dich also nicht allein von der Optik leiten, wenn du auf der Suche nach einer bestimmten Stärke bist.

Was passiert bei der Fermentation, dass sich die Farbe so verändert?

Die Farbunterschiede entstehen im Fermentationsprozess: Geerntete Tabakblätter liegen dabei unter kontrollierter Temperatur und Feuchtigkeit in Stapeln, den sogenannten Pilones. Dabei bauen sich Zucker und Ammoniak ab, wodurch der Tabak sein volles Aroma entwickelt und milder rauchbar wird. Je länger und intensiver dieser Prozess läuft, desto dunkler und kräftiger wird das Deckblatt am Ende. Wer einmal live gesehen hat, wie aus grünlichem Erntetabak über Wochen ein tiefbraunes Maduro-Blatt wird, versteht sofort, warum Fermentation in der Zigarrenherstellung fast schon Handwerkskunst ist.

Welche Deckblattfarbe passt zu dir, wenn du gerade erst einsteigst?

Unsere Empfehlung an alle, die noch am Anfang stehen: Fang mit Claro oder Colorado Claro an. Beide sind mild und fein genug, um dich nicht zu überfordern, zeigen dir aber schon, wie unterschiedlich Zigarren schmecken können. Von dort aus kannst du dich Stück für Stück zu Colorado, Maduro und irgendwann Oscuro vorarbeiten. So wie wir es auch gemacht haben.

Häufig gestellte Fragen

Ist Maduro immer stärker als Claro?

Nein. Maduro-Deckblätter schmecken meist süßlicher und kräftiger, sagen aber nicht zwingend etwas über den Nikotingehalt aus. Der hängt vor allem von der Einlage ab.

Was ist der Unterschied zwischen Colorado und Colorado Maduro?

Colorado ist rötlich-braun und würzig, Colorado Maduro ist dunkler, reicher und aromatischer. Farblich und geschmacklich die Stufe zwischen Colorado und Maduro.

Welche Deckblattfarbe eignet sich für Einsteiger?

Claro oder Colorado Claro gelten wegen ihres milden, feinen Geschmacks als guter Einstieg, bevor man sich zu kräftigeren Maduro- oder Oscuro-Zigarren vorarbeitet.

Woher kommt die dunkle Farbe bei Maduro-Deckblättern?

Durch eine längere und intensivere Fermentation, bei der sich Zucker im Tabak stärker umwandeln. Das sorgt für die dunkle Farbe und den süßlicheren Geschmack.

Gibt es echtes und “falsches” Maduro?

Ja. Echtes Maduro entsteht durch eine lange, intensive Fermentation. Manche Hersteller erzeugen die dunkle Farbe stattdessen schneller. Etwa durch beschleunigte Fermentation unter starker Hitze oder nachträgliches Färben. Das macht diese Zigarren nicht automatisch schlechter, sie schmecken aber oft anders als klassisch fermentiertes Maduro. Gut zu wissen, um bewusst auszuwählen.

Mehr Hintergrundwissen zu Deckblattsorten und Fermentation findest du in unserem Zigaren-Glossar. Und wie sich die einzelnen Farbstufen tatsächlich unterscheiden, verkosten wir gemeinsam in unserem YouTube-Kanal BETTER TOGETHER.