Es ist der Albtraum jedes Sammlers: Du öffnest den Humidor und entdeckst kleine Löcher in deinen Zigarren. Der Tabakkäfer war am Werk. Einmal aktiv, kann er eine ganze Sammlung befallen. Die gute Nachricht:cMit dem richtigen Einfrieren tötest du Käfer und Eier zuverlässig ab. Wir zeigen dir, wie es geht und wie du den häufigsten Fehler vermeidest.
Das Wichtigste zuerst
Beim Frosten werden Zigarren mehrere Tage auf sehr niedrige Temperaturen (meist -20 °C oder darunter) heruntergekühlt, um Tabakkäfer und deren Eier abzutöten. Entscheidend ist ein langsames, stufenweises Abkühlen und Wiederaufwärmen, damit die Deckblätter nicht durch Temperaturschock reißen. Zigarren, die hierzulande offiziell verkauft werden, sind in der Regel bereits gefrostet. Besonders wichtig ist das Verfahren aber bei Zigarren, die du bei Reisen aus dem Ausland mitbringst, da diese möglicherweise noch nicht behandelt wurden.
Was ist der Tabakkäfer und warum ist er so gefährlich?
Der Tabakkäfer (Lasioderma serricorne) ist ein winziger, nur wenige Millimeter großer Käfer, dessen Larven sich durch Tabak fressen. Das Tückische: Seine Eier stecken oft schon unbemerkt am Tabakblatt und schlüpfen erst, wenn die Bedingungen stimmen. Vor allem bei Wärme. Steigt die Temperatur im Humidor über etwa 25 °C, steigt das Risiko deutlich, dass vorhandene Eier aktiv werden. Einmal geschlüpft, fressen sich die Larven durch die Zigarren und hinterlassen die typischen kleinen Löcher und eine einzelne befallene Zigarre kann auf Grund der Vielzahl von Eiern schnell auf die ganze Sammlung übergreifen.
Was bedeutet “Frosten” bei Zigarren?
Frosten bezeichnet den Vorgang, bei dem Zigarren eingefroren werden, um mögliche Tabakkäfer und deren Eier abzutöten. Dabei werden die Zigarren für mehrere Tage (bis mehrere Wochen) auf sehr niedrige Temperaturen (meist -20 °C oder darunter) abgekühlt und eingefrohren. Erst diese anhaltende Kälte erwischt zuverlässig auch die Eier, die eine kurze Kältephase sonst überstehen könnten. Deshalb ist Frosten die sicherste Methode gegen einen Befall.
Wann solltest du Zigarren frosten – und wann ist es unnötig?
Zigarren, die hierzulande offiziell im Fachhandel verkauft werden, sind in der Regel bereits gefrostet. Hier musst du normalerweise nichts weiter tun. Besonders wichtig wird das Frosten dagegen in diesen Fällen:
- Zigarren aus dem Ausland, die du selbst mitbringst, etwa aus dem Urlaub, da diese möglicherweise noch nicht behandelt wurden.
- Zigarren aus unsicheren Quellen oder von Privatpersonen, bei denen du die Vorgeschichte nicht kennst.
- Nach einem akuten Befall: Wenn du in deinem Humidor bereits Käferspuren entdeckt hast, solltest du die noch intakten Zigarren vorsorglich frosten, bevor du sie zurücklegst.
Schritt für Schritt: Wie frostest du Zigarren richtig?
Der Schlüssel ist Geduld. Schockartiges Einfrieren oder Auftauen lässt die Deckblätter reißen. So gehst du vor:

- Zigarren luftdicht verpacken
Lege die Zigarren in einen verschließbaren Gefrierbeutel (Zip-Beutel) und drücke die Luft weitgehend heraus. Besser ist zu Vakuumieren, aber ohne alle Luft zu entfernen und die Zigarren kaputt zu drücken. Ein versiegelter Vakuumbeutel ist noch dichter als Tip-Lock-Beutel. Das schützt vor Gefrierbrand, Feuchtigkeitsverlust und Geruchsübertragung von Lebensmitteln. - Kühlschrank (ca. 1 Tag)
Lege das Päckchen zunächst für etwa 24 Stunden in den Kühlschrank (ca. 4–7 °C). So gewöhnen sich die Zigarren langsam an die Kälte. - Gefrierfach (mindestens 3–7 Tage)
Danach wandern die Zigarren ins Gefrierfach bei -18 °C oder kälter. Plane mindestens 72 Stunden ein, sicherer sind 1-2 Wochen, damit auch die Eier zuverlässig abgetötet werden. Ein haushaltsüblicher Kühlschrank kühlt nicht so tief wie das professionelle Frosten kühlen kann und dauert daher länger. - Kühlschrank (ca. 1 Tag)
Nimm die Zigarren aus dem Gefrierfach zurück in den Kühlschrank für etwa 24 Stunden, wieder als Zwischenstufe beim Auftauen. - Auf Raumtemperatur bringen (ca. 1 Tag)
Anschließend das noch verschlossene Päckchen bei Raumtemperatur ruhen lassen, bis es vollständig temperiert ist. Erst dann öffnen. So vermeidest du Kondenswasser auf den Zigarren. - Zurück in den Humidor
Zum Schluss dürfen die Zigarren wieder in den Humidor, wo sie sich die nächsten Tage bis Wochen wieder erholen können.
Warum ist das langsame Abkühlen und Auftauen so wichtig?
Deckblätter sind empfindlich. Ein plötzlicher Temperatursprung, etwa direkt von Raumtemperatur ins -20°C-Fach oder umgekehrt, lässt den Tabak zu schnell schrumpfen oder ausdehnen, wodurch feine Risse im Deckblatt entstehen können. Die Zwischenstufe im Kühlschrank gibt dem Material Zeit, sich anzupassen. Genauso wichtig: Erst öffnen, wenn die Zigarren wieder Raumtemperatur haben, sonst schlägt sich Luftfeuchtigkeit als Kondenswasser auf dem kalten Deckblatt nieder, und genau diese Feuchtigkeit könnte später Schimmel begünstigen.
Leiden die Zigarren geschmacklich unter dem Frosten?
Bei sachgemäßem, langsamem Vorgehen ist der geschmackliche Einfluss nicht wahrnehmbar. Die allermeisten im Handel erhältlichen Zigarren wurden ohnehin bereits gefrostet, ohne dass es jemand schmeckt. Wichtig ist danach nur, den Zigarren im Humidor genug Zeit zur “Erholung” zu geben, damit sie ihre optimale Feuchtigkeit zurückgewinnen. Wer möchte, lässt sie nach dem Frosten noch ein bis zwei Wochen ruhen, bevor er sie raucht.
Häufig gestellte Fragen
An kleinen, runden Löchern in den Zigarren oder im Deckblatt, teils mit feinem Tabakstaub. Bei Verdacht sollten die betroffenen Zigarren aussortiert und die übrigen vorsorglich gefrostet werden.
Bei –20 °C oder kälter für mindestens 72 Stunden, sicherer sind 1-2 Wochen – mit je einer Zwischenstufe im Kühlschrank beim Ein- und Auftauen.
Bei langsamem, sachgemäßem Vorgehen praktisch nicht. Entscheidend ist, Temperaturschocks zu vermeiden und den Zigarren danach im Humidor Zeit zur Erholung zu geben.
Nein, in der Regel nicht. Zumindest nicht wenn man diese in Deutschland oder Österreich gekauft hat. Zigarren aus dem offiziellen Fachhandel sind bereits gefrostet. Wichtig ist es vor allem bei Zigarren aus dem Ausland oder aus unsicheren Quellen.
