Bewertungssysteme für Genussprodukte gibt es viele. Bei Wein, Whisky oder Zigarren gehören Punkte und Skalen längst Und trotzdem haben wir uns lange Zeit bewusst schwer damit getan, Zigarren nach Punkten zu bewerten. Nicht, weil wir uns keine Meinung bilden können. Ganz im Gegenteil. Sondern weil uns die bestehenden Systeme nie wirklich überzeugt haben.
Zu oft hatten wir das Gefühl, dass Zahlen mehr vorgaukeln, als sie am Ende erklären. Punkte wie 93 oder 88 klingen präzise, sagen aber in der Praxis erstaunlich wenig aus. Die meisten Skalen werden nur zu einem kleinen Teil genutzt. Fast alles spielt sich im oberen Bereich ab, unter 80 Punkte wird kaum vergeben. Eine 88 suggeriert, dass eine Zigarre sehr weit oben auf der Skala liegt. Wenn man ehrlich ist und die Skala real nur von 80 bis 98 nutzt, liegt sie damit eher im unteren Mittelfeld. Und trotzdem wirken 88 und 93 fast wie Nachbarn, obwohl sie durchaus Welten trennen können.
Deshalb haben wir Zigarren schon immer beschrieben, eingeordnet und empfohlen, aber bewusst auf Punkte verzichtet. Nicht, um uns vor einer klaren Meinung zu drücken. Sondern weil wir kein System übernehmen wollten, das uns selbst nicht überzeugt. Wir wollten eine Art zu bewerten, die verständlich ist, Unterschiede sichtbar macht und ehrlich erklärt, warum uns eine Zigarre gefällt oder eben nicht.
Jetzt haben wir eine Art zu Zigarren bewerten entwickelt, die sich für uns richtig anfühlt und die wir selbst immer vermisst haben.
So funktioniert unsere Bewertung
Wir haben unser Bewertungssystem so aufgebaut, dass jede Zigarre in fünf klar benannten Kategorien beurteilt wird.
| Kategorie | Worum geht es? |
|---|---|
| Optik & Verarbeitung | Wie wirkt die Zigarre äußerlich? Ist sie sauber gerollt, ansprechend verarbeitet, fehlerfrei? Wie hochwertig ist die Anmutung – etwa der Zigarrenring? |
| Geschmack | Wie sind die Aromen und passen sie? Wie komplex ist die Zigarre? Entwickelt sie sich? Und wie ist die Persistenz? |
| Zug & Abbrand | Wie gut ist die Rauchbarkeit? Wie ist das Brandverhalten? |
| Preis / Leistung | Steht der Genuss im Verhältnis zum Preis? |
| Persönlicher Eindruck | Hat uns die Zigarre begeistert, berührt oder überrascht? Würden wir sie wieder rauchen? |
Warum ein subjektiver Anteil?
Die Kategorie „Persönlicher Eindruck“ erlaubt uns, unsere Begeisterung oder auch Enttäuschung offen zu zeigen. Das ist kein Fehler im System, im Gegenteil, es ist eines der ehrlichsten Elemente. Genuss ist nie vollständig objektiv, und ehrlich gesagt gilt das auch für die Bewertung der anderen Kategorien. Wer ehrlich empfiehlt, darf auch sagen, was er denkt. Genau damit wollen wir unterstreichen, dass jede Bewertung unsere persönliche Einordnung ist.
Mehr Präzision durch gemeinsame Bewertungen
Jede Kategorie bekommt bis zu fünf Sterne, auch halbe Sterne sind möglich.

Geschmack ist subjektiv, jeder nimmt eine Zigarre etwas anders wahr. Um diesem Unterschied Rechnung zu tragen, kombinieren wir (wenn möglich) unsere beiden Bewertungen und bilden einen Mittelwert. So entsteht eine Punktzahl, die sowohl die individuellen Eindrücke widerspiegelt als auch ein ausgewogenes Gesamtbild liefert. Dadurch wird die Bewertung präziser, ohne dass einzelne Vorlieben das Ergebnis dominieren.
Was für uns wirklich zählt
Nicht alles zählt gleich stark. Eine Zigarre kann noch so perfekt aussehen, wenn der Geschmack langweilig ist, wird sie uns nicht begeistern. Umgekehrt verzeihen wir optische Makel, wenn Aromen Entwicklung und Charakter zeigen. Deshalb ist der Geschmack mit seiner Entwicklung und Länge für uns das zentrale Kriterium. Denn am Ende erinnert man sich nicht an ein eingerissenes Deckblatt, sondern an das Erlebnis.
Die Gesamtpunktzahl ergibt sich also aus einer Gewichtung dieser Einzelnoten:
| Kategorie | Gewichtung |
|---|---|
| Optik & Verarbeitung | 10% |
| Geschmack | 40% |
| Zug & Abbrand | 20% |
| Preis / Leistung | 20% |
| Persönlicher Eindruck | 10% |
Unsere Bewertungsskala nutzt die komplette Skala
Aus allen Einzelnoten ergibt sich eine mathematisch berechnete Gesamtpunktzahl von bis zu 100 Punkten. So entsteht ein transparenter Überblick, der die Unterschiede zwischen sehr guten, ordentlichen und weniger gelungenen Zigarren sichtbar macht. Nicht nur ein enger Korridor von 85 bis 95 Punkten, wie man ihn aus vielen anderen Bewertungssystemen kennt. Mit diesem System nutzen wir die komplette Skala.
| Punkte | Bewertung | Bedeutung |
|---|---|---|
| 100 | Einzigartig | Unvergleichlicher Charakter, stilprägend. |
| 95 – 99 | Weltklasse | Komplex, ausdrucksstark und von intensivem Erlebnispotenzial. |
| 90 – 94 | Hervorragend | Exzellent verarbeitet, ausgewogen, tief und charaktervoll. |
| 80 – 89 | Sehr gut | Ausdrucksstark, mit Finesse und Persönlichkeit, für Kenner geeignet. |
| 70 – 79 | Gut | Harmonisch, angenehmes Aroma, gute Verarbeitung, guter Smoke. |
| 60 – 69 | Solide | Solide, technisch sauber, aber mit begrenztem Charakter. |
| 50– 59 | Basic | Rauchbar, neutral oder eindimensional, wenig Tiefe. |
| < 50 | Schwach | Kann man sich sparen. |
Wichtig ist dabei, die Zahlen richtig einzuordnen. Eine Zigarre mit 75 Punkten ist bei uns bereits eine wirklich gute Zigarre. Eine mit 85 Punkten ist eine sehr gute Zigarre. Unsere Skala ist bewusst weiter aufgefächert als in vielen anderen Systemen, um Unterschiede und Nuancen sichtbar zu machen, die sonst in einem engen Punktebereich verschwinden würden. Genau das ist die Idee dahinter. Wir wollen nicht, dass sich alles zwischen 85 und 95 Punkten abspielt, sondern dass die Skala wieder Bedeutung bekommt und die Zahlen tatsächlich etwas über die Qualität und den Genuss aussagen. Ist eine Zigarre “Schwach”, dann sagen wir das auch. Aber dann machen wir keine Unterscheidung mehr zwischen “Schwach” und “Sehr schwach”. “Schwach” bleibt “Schwach”.
So sieht das ganze dann optisch aus (einige Beispiele):

Und was ist mit Pairings? Ein Zusatz mit eigenem Charakter
Zigarren lassen sich hervorragend kombinieren, mit Rum, Whisky, Kaffee, Wein, Schokolade und vielem mehr. Ihr kennt das bereits aus unseren Reviews. Und genau das werden wir künftig auch systematisch mitbewerten.
Dabei geht es uns nicht nur um die Zigarre für sich, sondern auch darum, wie gut das Pairing den Genuss ergänzt und unterstützt.
Diese Bewertung steht bewusst ergänzend zur eigentlichen Zigarrennote. Wir beschreiben die Art des Pairings mit einem kurzen, prägnanten Begriff. Nicht jede Kombination funktioniert gleich, und genau das macht den Reiz aus.
Unsere Pairing-Typen
Um Pairings mit Zigarren besser zu verstehen und gezielt auswählen zu können, teilen wir die Pairings grob in fünf Kategorien ein, je nachdem, welche Rolle sie im Zusammenspiel mit der Zigarre übernehmen.
| Pairing-Typen | Was zeichnet sie aus |
|---|---|
| Resetter | Reinigt den Gaumen und lässt die Zigarre klar wirken. |
| Booster | Verstärkt die Aromen der Zigarre. |
| Transformer | Verändert das Geschmackserlebnis deutlich. |
| Challenger | Setzt bewusst Kontraste zur Zigarre. |
Fazit
Mit diesem System schaffen wir eine strukturierte, aber dennoch offene Grundlage, um Zigarren und ihre Pairings nachvollziehbar zu bewerten, ohne den Genuss auf reine Zahlen zu reduzieren. Es hilft uns, Unterschiede klarer herauszuarbeiten und unsere Eindrücke transparenter zu machen. Gleichzeitig bleibt genug Raum für Intuition, persönliche Vorlieben und überraschende Entdeckungen. Bisher hatten wir oft einfach das Gefühl, mit unseren Zigarren „richtig zu liegen“ und viele sehr gute Erfahrungen zu machen. Doch natürlich gibt es auch hier feine bis deutliche Unterschiede. Genau diese wollen wir künftig greifbarer machen und so noch klarer zeigen, warum uns eine Zigarre oder ein Pairing wirklich überzeugt oder eben nicht.
