Der erste Besuch in einer fremden Zigarrenlounge fühlt sich manchmal an wie das Betreten eines fremden Wohnzimmers. Man weiß nicht genau, wo man sich hinsetzen darf oder ob man erst jemanden ansprechen muss. Auch die eigene Zigarre aus der Jackentasche wirkt plötzlich fehl am Platz. Dabei ist Lounge-Etikette weniger kompliziert, als der erste Eindruck vermuten lässt. Wir erklären, worauf es bei einem entspannten und respektvollen Auftritt in der Lounge wirklich ankommt.
Aber Achtung: Erfahrene Gäste, die Neulinge ungefragt korrigieren oder über deren Zigarrenwahl urteilen, verstoßen selbst gegen die Etikette, die sie angeblich verteidigen. Zurückhaltung gilt in beide Richtungen, nicht nur für Anfänger.
Muss man Mitglied sein, um eine Lounge zu betreten?
In den meisten Fällen nicht. Wer unsicher ist, ob eine Lounge öffentlich zugänglich ist oder eine Reservierung braucht, fragt am besten kurz vorab telefonisch nach. So steht man nicht unnötig vor verschlossener Tür. Manche Häuser führen zusätzlich Mitglieder mit reservierten Humidoren oder Sitzplätzen. Für Nicht-Mitglieder erheben diese Lounges oft zudem auch einen “Eintritt”. Das erkennt man aber in der Regel schon beim Betreten, spätestens durch einen kurzen Hinweis vom Personal.
Zigarre in der Lounge kaufen ist eine Selbstverständlichkeit
Eine Lounge lebt vom Verkauf der Zigarren, nicht allein vom Sitzplatz. Wer eine mitgebrachte Zigarre auspackt und raucht, ohne dort etwas gekauft zu haben, verhält sich ähnlich unpassend wie jemand, der eigenes Essen ins Restaurant mitbringt und nur den Tisch nutzt.
Selbst wenn das Personal nichts dazu sagt, wirkt sich das langfristig aus. Es entscheidet mit darüber, wie gerne man euch als Gast sieht und wie gut die nächste Empfehlung ausfällt. Wer eine bestimmte Zigarre aus der eigenen Sammlung rauchen möchte, weil sie gerade lange genug gereift ist, sollte das offen ansprechen. Viele Lounges erlauben das gegen eine kleine “Cutting-Fee” (ähnlich dem Korkgeld beim Wein). Oder man kauft dort Zigarren und raucht dann stattdessen seine mitgebrachte. Das wird sicherlich auch meist ok sein.
Mit den Getränken verhält es sich im Übrigen gleich. Auch die kauft man vor Ort und bringt diese nicht mit. Nie.
Gespräche in der Zigarrenlounge
Eine Lounge ist meistens kein stiller Leseraum, aber auch kein Fußballstadion. Gespräche in normaler Zimmerlautstärke stören niemanden. Lautes Lachen, quer durch den Raum brüllen oder Diskussionen in Telefonlautstärke dagegen schon. Auch politische und religiöse Themen sollten generell vermieden werden, da diese oft in einer unschönen Diskussion enden. Genauso wichtig: Die Wahl der eigenen Zigarre eines anderen Gastes nicht kommentieren, erst recht nicht deren Preis.
Wer merkt, dass jemand lieber allein und in Ruhe raucht, statt ins Gespräch zu kommen, respektiert das ebenso wie eine Einladung zum Plaudern. Denn erfahrungsgemäß ergeben sich in einer Lounge sehr spannende Gespräche und wie wir selber wissen, oft entwickeln sich sogar Freundschaften daraus.
Passende Kleidung ist Pflicht
Strikte Kleiderordnungen sind in den meisten Lounges selten geworden, ganz freie Hand hat man trotzdem nicht. Ein gepflegtes, smart-casual Erscheinungsbild funktioniert fast überall, von Jeans mit Hemd bis zum Sakko ohne Krawatte. Verschwitzte Sportkleidung, Flip Flops oder sichtbar ungepflegte Kleidung wirken dagegen in fast jeder Lounge deplatziert. Das gilt unabhängig davon, wie leger das jeweilige Haus sonst auftritt. Im Zweifel hilft ein Blick auf die Website oder ein kurzer Anruf, gerade bei Lounges mit gehobenerem Publikum.
Handy, Parfüm und Rauchrichtung
Ein Handy, das während des Gesprächs ständig auf dem Tisch klingelt, stört die Atmosphäre stärker, als viele denken. Wir stellen unser Telefon grundsätzlich auf lautlos. Für längere Anrufe gehen wir nach draußen, statt die ganze Lounge am eigenen Telefonat teilhaben zu lassen. Bitte auch keine YouTube Videos auf laut anhören oder herumzeigen, das interessiert keinen in der Lounge und stört alle.
Beim Parfüm oder Rasierwasser gilt: weniger ist mehr. Starke Duftnoten überlagern sonst nicht nur den eigenen Tabakgeschmack, sondern auch den der Sitznachbarn. Und beim Rauchen selbst achten wir bewusst darauf, den Rauch nicht direkt in Richtung anderer Gäste zu blasen, auch wenn eine Lounge naturgemäß voller Rauch ist als jeder andere Raum.
Wie man sich gegenüber Personal und anderen Gästen verhält
Personal, das eine gute Empfehlung ausspricht oder eine Zigarre fachkundig anschneidet, darf man mit einem Trinkgeld honorieren. Gerade Stammgäste, die regelmäßig etwas dalassen, bekommen dafür erfahrungsgemäß auch die besseren Plätze und die persönlicheren Tipps.
Gegenüber anderen Gästen gilt vor allem eine Regel: Neulinge bitte nicht ungefragt korrigieren oder belehren. Wer offensichtlich zum ersten Mal in einer Lounge sitzt und die Zigarre etwas unbeholfen anschneidet, freut sich meistens über angebotene Hilfe. Ein ungefragter Kommentar von der Seite kommt dagegen selten gut an.
Neuling und unsicher? Das ist absolut kein Problem!
Der größte Fehler, den Neulinge machen, ist so zu tun, als wüssten sie bereits alles. Dabei kommt in praktisch jeder Lounge das Gegenteil besser an. Einfach zum Tresen gehen, sagen, dass man neu ist, und nach einer Empfehlung fragen, reicht völlig. Erfahrenes Personal stellt genau für diesen Fall gezielte Fragen zur bevorzugten Stärke oder zu bekannten Geschmacksrichtungen. Darüber findet sich schnell eine passende Zigarre. Wer stattdessen aus Unsicherheit eine zufällige Zigarre wählt und am Ende enttäuscht ist, hat sich die schlechtere Erfahrung meistens selbst eingehandelt.
Wer beim Loungebesuch einfach offen mit dem Personal spricht, statt sich auf vermeintliches Insiderwissen zu verlassen, wird merken, dass die Runde deutlich entspannter verläuft. Der erste Eindruck an der Tür täuscht in den meisten Fällen.
Damit solltet ihr jetzt gut gerüstet sein für Euren ersten Loungebesuch. Auf geht’s.
Häufig gestellte Fragen
Zigaretten sind in den meisten Zigarrenlounges nicht gern gesehen, in vielen sogar ausdrücklich verboten. Der scharfe Zigarettenrauch überlagert die feinen Aromen der Zigarren und stört damit alle anderen Gäste im Raum. Pfeife wird an manchen Orten toleriert, weil sich Pfeifentabak geschmacklich eher mit Zigarren verträgt, das ist aber von Lounge zu Lounge unterschiedlich geregelt. Fragt im Zweifel einfach kurz das Personal, bevor ihr die Pfeife auspackt.
In manchen Lounges ist das gegen eine kleine Cutting Fee durchaus üblich, sobald man dort regelmäßig einkauft und bekannt ist. Sprecht das aber vorher mit dem Personal ab, statt es einfach vorauszusetzen.
Ein Foto der eigenen Zigarre oder der Räumlichkeiten ist meistens unproblematisch. Andere Gäste ungefragt mit aufs Bild zu nehmen dagegen nicht. Fragt im Zweifel kurz nach, bevor ihr das Handy zum Fotografieren zückt.
Kurz beim Personal nachfragen, ob ein Platz demnächst frei wird, oder an der Theke warten, ist völlig normal. Sich einfach zu einer fremden Runde an den Tisch setzen, ohne vorher zu fragen, gehört dagegen nicht zum guten Ton.
Das kommt auf das jeweilige Haus an. Manche Lounges sehen das entspannt, andere erwarten zumindest gelegentlich einen Zigarrenkauf, wenn man den Sitzplatz über längere Zeit belegt. Wenn ihr natürlich mit einem Freund oder Freundin da seid, der oder die selber keine Zigarre raucht, aber Euch Gesellschaft leisten möchte, ist das sicher kein Problem. Im Zweifel hilft auch hier eine kurze, freundliche Nachfrage beim Personal.
Etwa 15 bis 20 Prozent auf den Einkauf gelten als üblicher Richtwert. Wer regelmäßig kommt und großzügig Trinkgeld gibt, merkt oft schnell, dass sich auch die Beratung intensiviert oder man einen besseren oder schnelleren Platz bekommt.
