Zigarre anschneiden: Straight-Cut, V-Cut oder Punch?

Straight-Cut, V-Cut oder Punch? Schon beim Anschneiden einer Zigarre stellt sich die erste wichtige Frage. Denn die Wahl des Schnitts hat spürbaren Einfluss auf Zug, Aroma und Raucherlebnis. Doch was unterscheidet die drei Methoden eigentlich, und welche passt zu welcher Zigarre und zu Dir? Ein Blick auf die Details lohnt sich.


Straight-Cutter vs. V-Cutter vs. Punch: Das wichtigste Zubehör im Vergleich

Jede Schnitttechnik verändert euer Genusserlebnis dramatisch. Welches Werkzeug zu welchem Format passt, zeigt unser Überblick:

WerkzeugZugvolumenAromen-FokusIdeal für…Das müsst ihr wissen
Straight-Cutter
(Doppelklinge)
Sehr hochBreit & ausgewogenAlle Formate, unverzichtbar für Torpedos / FiguradosDer absolute Allrounder. Mit diesem Schnitt werden alle Zigarren geblendet. Erfordert etwas Übung, um nicht zu tief zu schneiden.
V-Cutter / Kerb-Cutter
(V-Schnitt)
Hoch bis sehr hoch (hängt von der Tiefe des Cutters ab)Etwas intensiver, viel Rauch.Parejos (gerade, zylinderförmige Zigarren mit rundem Kopf)Schneidet ein „V“ in den Kopf. Bündelt den Rauch wie ein Trichter exakt auf der Zunge. Durch “V” aber große Öffnung für viel Rauch.
Zigarrenbohrer / Punch
(Rundschnitt)
DefiniertExtrem fokussiertNormaale bis große Ringmaße & flache Köpfe. Nicht geeignet für spitze Formate.Stanzt ein sauberes Loch. Das Deckblatt bleibt zu 100 % stabil. Ist das Loch zu klein, kann sich am Rand Kondensat bilden, der extrem unangenehm schmeckt. Geeignete Größe wählen.

Die Anatomie des Kopfes: Wo genau wird geschnitten?

Der häufigste Anfängerfehler ist es, beim Zigarre anschneiden mit dem Straight Cutter den kompletten Kopf der Zigarre zu kappen. Wenn ihr das tut, schneidet ihr die Kappe ab, die das Deckblatt zusammenhält. Die Zigarre fängt an, sich abzuwickeln. Schaut euch den Kopf der Zigarre genau an. Ihr seht eine oder mehrere feine Linien, die sogenannte Kappe (Cap).

Bestandteile einer Zigarre: Kappe, Kopf, Körper, Fuß

Geschnitten wird immer ganz wenig, so dass ein Ring der Kappe unversehrt auf der Zigarre bleibt. Bei einem Doppelklingen-Cutter gilt die Faustregel: Schneidet maximal 1 bis 2 Millimeter ab. Der Kopf sollte danach immer noch eine leichte Kurve machen.

Richtiger und falscher Anschnitt

Bei Zigarren mit einer spitz zulaufenden Form, wie Torpedos, wird zuerst nur die Spitze angeschnitten. Dabei sollte man vorsichtig vorgehen und den Schnitt schrittweise vergrößern, bis der gewünschte Zug erreicht ist. Das kann man auch während des Rauchens machen. Lieber erst wenig abschneiden und dann sooft nachcutten wie nötig.

Beim V-Cut ist es leichter. Die haben einen Anschlag. Zigarre einstecken, zudrücken und die Kappe bleibt unversehrt.

Der Punch (auch oft Ring-Schneider oder auch fälschlicherweise Bohrer genannt) braucht eine zur Zigarrendicke passende Größe. Davidoff bietet so was mit dem Davidoff Punch Cutter an mit zwei unterschiedlich großen Klingen. Oder auch Colibri mit dem Quasar Punch mit drei unterschiedlichen Größen. Setzt den Punch genau in der Mitte des Kopfes an. Übt dann sanften Druck aus und dreht den Punch langsam hin und her, bis er leicht in den Tabak schneidet. Durch das Hin- und Herdrehen wird Spannung auf dem Deckblatt vermieden. Fertig.


3 goldene Profi-Regeln für den perfekten Cut

  • Regel 1: Vertraut nur messerscharfen Klingen
    Spart niemals am Cutter. Ein billiger 2-Euro-Plastikcutter schneidet nur wenige Zigarren, danach ist er stumpf und quetscht den Tabak und reißt ihn. Die Klingen sollten scharf sein wie ein Skalpell. Hochwertige Marken (wie Xikar oder Colibri oder S.T. Dupont) sind langlebig. Und Xikar bietet sogar eine “limited lifetime warranty” (was i.d.R. 20-25 Jahren entspricht).
  • Regel 2: Der “Ruck”
    Zögert nicht beim Schneiden. Wer den Cutter langsam zudrückt, fasert den Tabak aus. Legt den Cutter präzise an, fixiert die Position und drückt dann schlagartig und mit festem Ruck zu. Und wer es noch mehr wie ein Profi machen will: Zuerst so weit zusammendrücken, dass die Klingen leicht am Deckblatt anliegen. Dann die Zigarre rotieren lassen und nur das Deckblatt mit den Klingen “einritzen”. Und dann der “Ruck”. Dann ist der Schnitt noch perfekter.
  • Regel 3: Der Tisch-Trick für Anfänger
    Wenn ihr euch unsicher seid, wie tief ihr schneiden dürft: Legt den Doppelklingen-Cutter flach auf den Tisch. Stellt die Zigarre senkrecht mit dem Kopf hinein. Wenn ihr jetzt zudrückt, schneidet ihr automatisch exakt die perfekte Tiefe der Kappe ab, ohne das Deckblatt zu verletzen. Das funktioniert aber nur mit dünnen Cuttern wie dem Xikar Xi, mit dem Xikar XO funktioniert das leider nicht.

Häufige Fragen zum Thema “Zigarre anschneiden wie die Profis”

Wie cuttet man eine Zigarre richtig?

Zum Cutten einer Zigarre wird das geschlossene Ende, die sogenannte Kappe oder das „Cap“, vorsichtig angeschnitten. Wichtig ist, nur so viel zu entfernen, dass die Zigarre geöffnet ist. 1-2mm reichen völlig aus. Ein zu tiefer Schnitt kann dazu führen, dass sich das Deckblatt löst.

Sollte man eine Zigarre vor oder nach dem Anzünden cutten?

Die Meinungen der Aficionados gehen hier auseinander. Üblich ist es, die Zigarre vor dem Anzünden zu cutten. So lässt sich der Zug vorab prüfen und die Zigarre korrekt anzünden. Manche schneiden erst danach, um zu verhindern, dass Rauch beim Anzünden in die Zigarre zieht. Im Test konnten wir jedoch keinen spürbaren Unterschied feststellen und bleiben daher bei der klassischen Methode: Erst cutten, dann anzünden.

Welcher Zigarrenschneider ist der beste für Anfänger?

Für den Einstieg empfiehlt sich ein klassischer Doppelklingen-Cutter. Dafür reicht am Anfang ein einfaches Modell. Ein V-Cutter oder ein Punch (auch Rundschnitt oder “Bohrer” genannt) funktionieren aber genauso gut.

Kann man eine Zigarre auch mit einem normalen Messer schneiden?

Technisch ist es möglich, eine Kappe einer Zigarre mit rundem Kopf mit einem Messer zu entfernen. Ein normales Messer reicht jedoch nicht, es sollte ein sehr scharfes Messer sein oder ein Messer, was extra dafür gemacht ist, wie das Le Petit von Les Fines Lames. Dann schneidet man aber nur vorsichtig um den Kopf herum und hebt nur das Deckblatt ab. Das erfordert Übung.

Kann man einen V-Schnitt auch bei einer Torpedo / Belicoso nutzen?

Das ist Geschmackssache, ein Richtig oder Falsch gibt es nicht. Masterblender allerdings rollen bei dieser Frage regelmäßig mit den Augen, für sie ist es ein absolutes No-Go. Für Torpedo-Formate und ähnliche Zigarren greifen wir daher ausschließlich zum Straight-Cutter.

Warum heißt es „Punch” bzw. „Round Cutter” und nicht „Bohrer”?

Der Begriff „Bohrer” hat sich umgangssprachlich zwar eingebürgert, ist aber eigentlich irreführend. Ein Bohrer dreht sich und trägt Material spanend ab. Der Punch oder Round Cutter funktioniert komplett anders: Er wird mit einer geraden, senkrechten leichten hin und her-Bewegung ins Deckblatt geschnitten (im Gegensatz zu einer Drehung eines Bohrers) und sticht dabei einen sauberen, runden Kern aus dem Kopf der Zigarre heraus .